Die Geschichte der O


Der O-Ring – Zeichen der absoluten Versklavung oder Zeichen des Aufstiegs zur perfekten Sklavin?

Bestimmt haben Sie auch schon mal einen O-Ring an der Hand einer Frau gesehen. Haben Sie ihn als Solchen erkannt? Kennen Sie die Bedeutung? Nein? Schade, denn dann hätten Sie die betreffende Dame nach der Romanvorlage „Geschichte der O“ für gemeinsame Stunden zu Zweit mitnehmen dürfen.

Der Roman „Geschichte der O“ von Pauline Réage

Im Roman „Geschichte der O“ wird die Hauptperson Namens „O“ zu einer perfekten, devoten Dienerin und Sklavin ausgebildet, die sich letztlich in totale Abhängigkeit zu Ihrem Gebieter begibt und Ihr ganzes Leben, d.h. 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche, nach seinen Wünschen ausrichtet.

Der Roman beschreibt ihre Ausbildung und den Lebensweg danach. Ihre harte und grausame Ausbildung wird in deutlichen, plastischen Worten geschildert und ihr weiterer Lebensweg verfolgt, den sie als Sklavin bis zu ihrem frei gewählten Tod verbringt.

Ihr Namensbuchstabe wird übernommen, um dieser bestimmten Ausbildung einen Namen zu geben. Das Erkennungszeichen für die absolvierte Ausbildung ist der O-Ring, der zum wichtigsten und bekanntesten Symbol für den Roman wird.

Der gesamte Roman wurde in die BDSM-Szene („Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“) übernommen und hat sie verändert und bereichert. Der Inhalt des Romans wurde in die Realität übertragen und ebenso wie im Roman bekommt auch heute eine ausgebildete O den O-Ring von ihrem Gebieter verliehen.

Lernen durch Bestrafung

Hart und grausam wird im oberen Absatz die Ausbildung beschrieben. Lesen Sie nun nach, was dies wirklich bedeutet. Nur so können Sie verstehen, wie hoch die Verleihung eines O-Rings wirklich eingeschätzt werden muss/kann.

Eine O muss während ihrer Ausbildung physische und psychische Grenzen überwinden.

Eine wichtige These des Romans liegt dem Gedanken zugrunde, dass eine O nur lernt, in dem sie bestraft und körperlich gezüchtigt wird.

All dies geschieht mit O’s Einverständnis, obwohl die folgenden Beispiele teilweise schwer zu verstehen sind:

So lernt sie in Ketten zu schlafen, um nachts schnell in die richtige Position gebracht werden zu können, um ausgepeitscht zu werden.

Sie lernt „richtig“ zu sitzen, zu stehen, zu liegen, die Augen nicht auf das Gesicht eines Herrn zu richten. Sie lernt zu schweigen. Sie lernt, mehrere Herren gleichzeitig zu bedienen, sich täglich mit unzähligen Partnern zu prostituieren, gefoltert, misshandelt und gedemütigt zu werden.

Sie lernt, vor jeder ihrer Bewegungen nach Erlaubnis zu fragen, ohne diese darf sie nicht mal auf Toilette gehen, alleine aber schon gar nicht.

Sie lernt, durch Prostitution emotional an Würde zu gewinnen. Sie sieht dabei zu, wie sich ihr Gebieter, den sie liebt, Befriedigung durch andere Sklavinnen verschafft und lernt, darin ein Zeichen seiner Liebe zu sehen.

Sie glauben das nicht? Sie können diese Sätze nicht nachvollziehen? Wie kann O dafür ihr Einverständnis geben? Lesen Sie an anderer Stelle über diese diskussionswürdigen Thesen nach, die die Fetisch-Szene auch heute noch beschäftigt.

Versklavung durch einen Ring gekrönt

Die letzte Station von O’s Ausbildung ist ein stockdunkler Keller, in dem sie tagelang missbraucht und geschlagen wird, bis sie jegliches Zeitgefühl verliert.

Dieses Abschlussszenarium wird heute so in der Regel nicht mehr praktiziert, wie es auch keine eigentliche Ausbildung mehr gibt.

Der Gebieter bestimmt, wann seine Dienerin den Status einer O erreicht hat. Die Ausbildung zu einer O ist zu einer privaten Angelegenheit geworden.

Eine offizielle Abschlusszeremonie gibt es auch im Roman nicht.

Der O werden die bei Ankunft umgelegten Armbänder und das Halsband abgenommen, an denen sie oftmals gefesselt und aufgehängt wurde, um ausgepeitscht und geschlagen zu werden. Und ihr wird der Ring der O, der O-Ring verliehen.

Die doppelte Ringsymbolik

Der verliehene Ring sagt Zweifaches aus. Zum einen ist er wie beschrieben als Abschluss zur Ausbildung einer O gedacht. Im Roman trägt O ihn mit Stolz, sind doch die Initialen ihres Meisters darin eingraviert.

Zum anderen hat der Ring eine zweite Bedeutung: Mit dem Ring gibt sich eine O der Öffentlichkeit preis. Jeder der den Ring an ihrem Finger sieht und um seine Bedeutung weiß, kann sofort in jeglicher Art und Weise über O verfügen.

Denn dies sagte der Ring aus: Seine Trägerin ist eine versklavte Dienerin, die jedem Herrn zur Verfügung steht. Ob er sie auf der Straße erkennt, im Beruf oder in der Freizeit, er kann sie sofort benutzen.

„Der Ring aus Eisen und Gold, den sie an der linken Hand trug – erinnerte sie sich, wie er ihn so eng gewählt hatte, daß sie ihn nur mit Mühe an den Ringfinger stecken konnte? Sie konnte ihn nicht mehr abziehen – war das Zeichen, daß sie Sklavin war, aber Sklavin aller. Der Zufall hatte es gewollt, daß sie seit dem Herbst keine Gäste des Schlosses von Roissy getroffen hatte, die ihre Eisen bemerkt und Konsequenzen daraus gezogen hatten. Das Wort Eisen, im Plural gebraucht, in dem sie ein Wortspiel gesehen hatte, als Sir Stephen ihr damals sagte, die Eisen stünden ihr gut, war keineswegs ein Wortspiel, sondern eine Losung. Sie Stephen hatte die zweite Losung nicht anzuwenden brauchen: nämlich, wem die Eisen gehörten, die sie trug.“
(Réage, Pauline: Geschichte der O. München, F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH 2001, S. 147)

Eine O bewegt sich in dem Bewusstsein, jede Sekunde erkannt zu werden und das lässt sie ständig in einer Mischung aus Unruhe, Nervosität und Erregung leben.

Zwei Ausführungen des Rings

„Es waren sonderbare Eisenringe, innen mit Gold gerandet; der breite, schwere Reif, ähnlich der Fassung eines Siegelrings, aber hochgewölbt, trug in Nielloarbeit ein goldenes Rad mit drei Speichen, die spiralenförmig gebogen waren, wie beim Sonnenrad der Kelten.“
(ebd., S. 74)

So wird der Ring im Roman beschrieben.
Mit der Zeit aber veränderte sich das Aussehen des Rings und die zweite Version wird heute sogar fast als der offizielle Ring angesehen. Wenn sie also einen Ring sehen, der als Aufsatz eine kleine Kugel hat, der einen weiteren kleinen Ring hält, dann haben sie die zweite Version des O-Rings gefunden.

Links? Rechts? Oder doch links?

War im Roman angegeben, den Ring am linken Ringfinger zu tragen, wird er heute oft an der rechten Hand getragen. In der Regel sagt der Ring nur noch aus, dass der oder die Trägerin allgemein Interesse an der BDSM-Szene hat.

Den Ring an der rechten Hand zu tragen, soll heute Untergebenheit symbolisieren. Dominanz wird durch das Tragen an der linken Hand ausgedrückt.

Fragen Sie deshalb vorsichtshalber noch einmal nach, wen sie vor sich haben, wenn Sie einen Ring entdecken.

Hanky-Code vs. Schlaghand

Es gibt zwei Theorien, weshalb sich die Traghand geändert hat.

Die erste geht auf den Hanky-Code zurück, einer Theorie, nach der in der Szene der Homosexuellen bunte Tücher in die hintere Hosentasche gesteckt wurden, um die sexuellen Vorlieben anzuzeigen. Vom Betrachter aus gesehen, war die linke Seite immer noch die devote Seite, vom Träger hatte sie auf die rechte Seite gewechselt.

Die zweite Theorie besagt, dass der Gebieter der O die rechte Hand, meist die Schlaghand, immer frei haben muss und deswegen den Ring an der linken Hand trägt.

Noch immer wird der O-Ring mit Gravur an die persönliche O des Meisters für besondere Dienste und Treue verlieren. Genauso stolz trägt diese O den Ring wie O aus dem Roman. Oftmals ist die Übergabe des Rings ein Symbol für den Eintritt in eine tiefere Phase der Beziehung.

Den Ring erkennen und richtig deuten?

ei der Allgemeinheit ist diese Bedeutung oft nicht mehr so allgegenwärtig. Ein O-Ring kann unkompliziert für wenig Geld im Internet bestellt werden und die meisten seiner Trägerinnen wissen gar nicht, dass sie einen O-Ring tragen.

Er ist ein reines Schmuckaccessoire geworden. Die Schmuckstücke werden immer aufwendiger, mit Glitzersteinen, in verschiedenen Farben. Als Modeschmuck wird der Ring verkauft und gerne getragen. Die tiefere Bedeutung hat er verloren.

Vergleichbar ist das Tragen des O-Rings zum Tragen des Kreuzes als Schmuckanhänger. Die wenigsten tragen es noch aus ihrem christlichen Glauben heraus. Würden die Ringträger die Bedeutung wissen, wären sie mutmaßlich irritiert und eventuell auch entsetzt.

Ihr persönlicher O-Ring

Aber trotzdem testen Sie es aus, wenn Sie einen O-Ring an der Hand einer Frau sehen und sprechen Sie sie an.

Sie werden eine originale O, die noch nach der Romanvorlage lebt und handelt, erkennen, wenn diese mit geöffneten Beinen auf einem Hocker sitzt und ihren Rock weit über diesen ausgebreitet hat. Sie können davon ausgehen, dass sie darunter nackt ist.

Was es mit dieser Sitzposition auf sich hat, können Sie an anderer Stelle nachlesen. Diese O jedenfalls wird sich Ihnen garantiert bedingungslos zur Verfügung stellen.

Haben Sie Lust bekommen, selbst einen O-Ring zu erstehen oder zu verschenken? Dann können wir Ihnen die O-Ringe aus dem O-Shop auf www.die-geschichte-der-o.com empfehlen.

 

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